Deutsch-russischer Nachmittag der CDU im Kreis Viersen

„Reden können Politiker gut, heute geht es uns aber darum Ihnen zuzuhören“, begrüßte der Detmolder Bundestagsabgeordnete Heinrich Zertik mit seinen Kollegen Uwe Schummer, Marcus Optendrenk und Stefan Berger Russlanddeutsche bei Gesprächsrunden in Viersen und Kempen. Zertik wurde 1957 geboren, wuchs als Angehöriger der deutschen Minderheit in Südkasachstan auf und gehört damit zur ersten Einwanderer-Generation aus der Sowjetunion. Seit 2013 ist Zertik Mitglied des deutschen Bundestages und engagiert sich seit seiner Auswanderung aus der Sowjetunion 1989 für die Belange der Vertriebenen und besonders die der Russlanddeutschen.
Auf seiner ersten Station im Kreis Viersen besuchte Heinrich Zertik zusammen mit Uwe Schummer und Stefan Berger eine Gruppe Russlanddeutscher beim Viersener Integrationsverein. In familiärer Atmosphäre kam man über die Themen Identität, Integration sowie die Herausforderungen der Russlanddeutschen, die sich mit der persönliche Geschichte von Heinrich Zertik identifizieren konnten, schnell ins Gespräch. Ein besonderes Problem, welches die teilnehmenden Gäste betonten, sind die fehlenden Räumlichkeiten. Für Feiern und Feste der Gemeinschaft der Russlanddeutschen im Kreis Viersen ist es häufig schwierig, geeignete Orte zu finden. Uwe Schummer und Stefan Berger empfahlen dazu, mit der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten und zu erörtern, ob Schulgebäude für die Veranstaltungen genutzt werden können. Für die finanzielle Unterstützung gäbe es Möglichkeiten seitens der Stadtverwaltung. Abschließend luden die Abgeordneten die anwesenden Russlanddeutschen in den Bundestag und den Landtag ein. Der Einladung werde man bald folgen, betonte Irina Schlegel, Mitglied der Gemeinschaft der Russlanddeutschen im Kreis Viersen.

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Vor ca. 40 Russlanddeutschen und interessierten Mitgliedern der CDU empfingen die Vorsitzende der CDU Kempen, Rita Ulschmid, und der Nettetaler Landtagsabgeordnete Marcus Optendrenk anschließend Heinrich Zertik im Kempener Kolpinghaus. 25 Jahre sei Zertik nun in einer Ehe mit der CDU und die Scheidung würde er so schnell nicht einreichen, begrüßte Zertik die Gäste. Zu Beginn erklärte Zertik die besondere Geschichte der Deutschlandrussen. Nach der Wende kehrten 2,2 Mio. Deutschlandrussen zurück nach Deutschland, nachdem sie in Russland ständig an diese Rückkehr hätten denken müssen. Anschließend referierte Zertik über die Schwierigkeiten für Russlanddeutsche in ihrer neuen alten Heimat und warnte vor gegenseitigen Ressentiments. Es gebe auch keine Nähe seiner Mitbürger zur Organisierten Kriminalität. Im Gegenteil: viele suchten Nähe und Kontakte in ihrer gar nicht mehr so neuen Heimat. Zertik riet sowohl Deutschen als auch Deutschlandrussen zu intensiveren Kontakten. „Mein Engagement in der CDU hat mir geholfen schnell in Kontakt zu treten und mich einzumischen, als ich mit meiner Familie nach Deutschland gekommen bin“, betonte Zertik und ermutigte gerade die jüngeren Gäste aktiv zu werden und dabei auch unbequeme Fragen an ältere Generationen ohne Scheu zu stellen. In der folgenden offenen Diskussion rückte auch die Tagespolitik wieder in den Mittelpunkt. Dabei spielten die Rolle der Presse, die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und deutsch-russische Beziehungen in Wirtschaft und Politik eine Rolle. Da Zertik keine Möglichkeit hatte, die historische Altstadt zu besichtigen, wurde er mit einem Bildband über die Stadt und einer Flasche Thomasbitter „für schlechte Zeiten“ als Dank für seinen Besuch von Ulschmid verabschiedet.

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v.l.n.r.: Marcus Optendrenk MdL, Heinrich Zertik MdB, Rita Ulschmid, Uwe Schummer MdB

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